Wie feiern wir Gottesdienst?


In der Heilig-Geist-Gemeinde feiern wir sonn- und feiertags, neutestamentlichem Beispiel und altkirchlicher sowie lutherisch-reformatorischer Praxis folgend, den „vollen“ Gottesdienst mit Predigt und Feier des Heiligen Abendmahls.

Durch die liturgische Form unserer gottesdienstlichen Feier drücken wir unsere Verbundenheit mit der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche Jesu Christi aller Zeiten aus.

Zugrunde liegt die Evangelisch-Lutherische Kirchenagende (Die heilige Messe der evangelisch-lutherischen Kirche, erschienen im Verlag Herder, Freiburg 1997, hrg. von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche).

Der lutherische Gottesdienst entspricht in Aufbau und Struktur der abendländischen Messe und berücksichtigt die Meßreform Martin Luthers.

Sinnenfreudig ist der Gottesdienst Ausdruck der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und unseres Dankes für unsere Erlösung.

Gesten, Körperhaltungen, Farben, Gewänder, Formen, Musik haben im lutherischen Gottesdienst ihr Recht und ihren Platz.

Wir verstehen den Gottesdienst nicht als Schul- oder Informationsveranstaltung, sondern als heilige Feier der um ihren Herrn Jesus Christus versammelten Gemeinde.

ER selbst ist hier gegenwärtig. Er selbst leitet, lehrt, weidet und tröstet Seine Gemeinde mit Seinem Wort und durch Seine Sakramente.

Der Gottesdienst ist bei aller erkennbaren und beabsichtigten Verwurzelung in der kirchlichen Tradition jedoch kein museales Schauspiel: Lebendige und zeitgemäße Bewahrung des Bewährten vermittelt Geborgenheit und Verläßlichkeit und gibt zugleich Wegweisung und Trost in den Fragen und Nöten unserer Gegenwart.

Traditionelles und modernes, konfessionelles und ökumenisches Liedgut sind gleichermaßen Bestandteil der Gottesdienste.

Vor allem in der Predigt, die zeitgemäß und menschenzugewandt Gottes Wort auslegt und auf heutige Fragen eingeht, erfahren Menschen in unseren Gottesdienst Orientierung, Glaubens- und Lebenshilfe.

Für unsere Gäste liegt ein Gästebrief mit einer kurzen Erläuterung des Gottesdienstablaufes bereit, mit deren Hilfe eine geistliche und bewußte Mitfeier leicht möglich ist.

Wir freuen uns, wenn Sie den Gottesdienst mit uns feiern möchten und heißen Sie herzlich willkommen!


    Eine ausführliche Erklärung des lutherischen Hauptgottesdienstes
    finden Sie in dem Büchlein:

    „Gott ist gegenwärtig – Anregungen für die Feier des lutherischen Gottesdienstes“ von Gert Kelter, erschienen 2003 im Verlag der Luth. Buchhandlung Heinrich Harms, Groß Oesingen (VLB), 95 S.; ISBN 3-86147-254-6. (€ 5, 80)


Der Gottesdienst der lutherischen Kirche, wie wir ihn in der altlutherischen Heilig-Geist-Gemeinde in Görlitz feiern, geht zurück auf den Gottesdienst der ersten Christen.

Natürlich hat er sich in der Sprache unserer Zeit angepaßt und nimmt vielfältige Inspirationen und Traditionen auf, die im Laufe der 2000-jährigen Kirchengeschichte prägend waren.

Im Kern jedoch finden wir bis in den Wortlaut hinein überall uralte Wurzeln.

Zunächst feiern wir unseren Gottesdienst als Wort- und Sakramentsgottesdienst.

Mit anderen Worten: Der Gottesdienst entspricht einer Ellipse mit zwei Brennpunkten. Der eine ist die Verkündigung des Wortes Gottes durch Lesungen, gemeinsam gesprochenes Glaubensbekenntnis, Auslegung in der Predigt , der andere ist die Feier des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus im Altarsakrament, dem Heiligen Abendmahl.

Im Wortteil begegnen uns Elemente der jüdischen Liturgie der Synagoge und Formen, die an den Kaiserkult in Byzanz erinnern, nun aber auf den „Kaiser des Universums“, auf Jesus Christus bezogen sind.

Fast jedes Wort unserer Liturgie hat biblischen Ursprung und läßt sich im Alten und Neuen Testament wiederfinden. Gebete und Lobgesänge der allerersten Christengemeinden prägen noch heute unsere Liturgie.

Die lutherische Liturgie ist eine Ordnung, die uns davor bewahrt, jede Mode mitzumachen und traditions- und geschichtsvergessen jede zeitgeistige Marotte aufzugreifen. „Halte die Ordnung, dann hält dich die Ordnung“ – das ist eine alte Mönchsregel, die auch für unseren Gottesdienst gilt.

Der liturgische Rahmen verleiht Sicherheit, bewahrt die Gemeinde davor, den Launen und Lieblingsgedanken eines Pfarrers ausgeliefert zu sein und stellt eine Verbindung zu den uns vorangegangenen Glaubenden der letzten zwanzig Jahrhunderte her.

Im Gottesdienst kommen auch Worte der hebräischen (Halleluja, Amen, Hosianna), griechischen (Kyrie eleison) und manchmal der lateinischen Sprache vor. Er ist also keine zeitliche und regionale Veranstaltung, sondern bindet uns ein in eine 2000-jährige Geschichte und verbindet uns mit allen Christusgläubigen aller Zeiten, Sprachen, Nationen, Kulturen.

Darum ist unser lutherischer Gottesdienst ökumenisch: Wer in der lutherischen Liturgie zuhause ist, wird in der ganzen Welt in lutherischen, römisch-katholischen, altkatholischen, ostkirchlichen und anglikanischen Kirchen Altvertrautes wiedererkennen und mitfeiern können, ganz gleich, in welcher Sprache.

Lutherische Liturgie spricht die Sinne an und ist keine triste Schul- und Informationsveranstaltung. Im Gottesdienst feiern Christen den erlösenden und sündenvergebenden Tod ihres Herrn Jesus Christus, seine Auferstehung von den Toten und seine Wiederkunft in Herrlichkeit. Das findet seinen Ausdruck in Formen, Farben, Gewändern, Kerzen, Gesten. Der Sonntag, der Herrentag, ist ein Fest, von dem man gesegnet, gestärkt und ermutigt in den Alltag geht.

 

Hier sehen Sie den Ablauf einer lutherischen Messe,
wie sie sonntäglich in Görlitz gefeiert wird:


[Vorspiel]
Eingangslied
Beichte oder Vorbereitungsgebet


ERÖFFNUNG UND ANRUFUNG
Eingangspsalm (Introitus)
Herr, erbarme dich
(Kyrie eleison)
Ehre sei Gott in der Höhe
Segensgruß
(Salutatio)
Eingangsgebet
des Tages (Kollektengebet)


VERKÜNDIGUNG UND BEKENNTNIS
Lesung aus den Apostelbriefen (Epistel)
Halleluja
(Gelobt sei Gott)
Lied der Woche (Graduale)
Lesung des Evangeliums
Gemeinde – nach der Ankündigung: Ehre sei dir, Herre.- Nach der Lesung: Lob sei dir, o Christe.
Glaubensbekenntnis
Lied vor d. Predigt
Predigt
ggf. Besondere Abkündigungen
Lied nach d. Predigt


(währenddessen wird das Dankopfer [Kollekte] eingesammelt)
Dankopfergebet - Allgemeines Kirchengebet (Fürbitten)


DIE FEIER DES HEILIGEN MAHLES
Lied zur Bereitung auf das Hl. Abendmahl
Wechselgruß - Großes Dankgebet
(Präfation) - Dreimalheilig (Sanctus)
Lobpreis und Bitte um den Heiligen Geist (Epiklese=griech. „Herabrufung“)
Stiftungsworte des Herrn Christus (Konsekration)-die Gemeinde kniet nieder-

Liturg: Groß ist das Geheimnis des Glaubens!
Gemeinde: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen
wir bis du kommst in Herrlichkeit

Heilsgedächtnis-Gebet (Anamnese = griech. „Gedächtnis“)
Die Gemeinde erhebt sich: Vaterunser – Friedensgruß (Gemeinde: Amen)
Lamm Gottes
(Agnus Dei) - Austeilung (Kommunion)
Herre, nun läßt du deinen Diener (Nunc dimittis) Lobgesang nach dem Abendmahl
Dank- und Lobvers
(Versikel):
P: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, Halleluja,
G: und seine Güte währet ewiglich. Halleluja!
Dank- und Schlußgebet


SENDUNG (ENTLASSUNG) UND SEGEN
Wechselgruß
(Der Herr sei mit euch! – Und mit deinem Geiste!)
Sendungswort (Gehet hin im Frieden des Herrn! – Gott sei ewiglich Dank!)
Segen – Gemeinde: Amen! Amen! Amen!
Schlußlied
ggf. Allgemeine Abkündigungen
[Nachspiel]